Lieferkettenstrategie in Indien: Warum Indien für internationale Unternehmen immer wichtiger wird
Internationale Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie ihre Lieferketten widerstandsfähiger und unabhängiger aufstellen können. Indien rückt dabei zunehmend als Produktions- und Beschaffungsstandort in den Fokus. Dieser Artikel zeigt, warum Indien strategisch an Bedeutung gewinnt und worauf Unternehmen beim Aufbau einer Lieferkettenstrategie in Indien achten sollten.

Globale Lieferketten stehen unter Druck. Geopolitische Spannungen, steigende Kosten und wiederkehrende Störungen zwingen internationale Unternehmen dazu, ihre bisherigen Beschaffungs- und Produktionsmodelle zu hinterfragen. In diesem Kontext gewinnt Indien als strategischer Baustein für langfristig resiliente Lieferketten zunehmend an Bedeutung.
Die sogenannte „China-plus-eins“-Strategie hat diesen Trend beschleunigt. Immer mehr Unternehmen prüfen, wie sie ihre Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig neue Produktionskapazitäten aufbauen können. Indien bietet dafür attraktive Voraussetzungen, gleichzeitig ist der Aufbau einer Lieferkette in Indien mit spezifischen Herausforderungen verbunden, die nicht unterschätzt werden sollten.
Dieser Artikel richtet sich an internationale Unternehmen, die Indien als Produktions- oder Beschaffungsstandort evaluieren oder ihre bestehende Lieferkettenstrategie gezielt erweitern möchten. Er zeigt, warum Indien strategisch an Bedeutung gewinnt und welche Faktoren beim Aufbau einer funktionierenden Lieferkettenstrategie in Indien entscheidend sind.
Was Indien als Produktionsstandort attraktiv macht
Internationale Unternehmen entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für Indien als Produktionsstandort. Je nach Branche und Geschäftsmodell profitieren sie dabei von mehreren strukturellen Vorteilen:
- wettbewerbsfähigen Kosten bei Arbeit, Material und Betrieb
- qualifizierten Arbeitskräften mit ausgeprägten technischen Fähigkeiten
- einem wachsenden Binnenmarkt, der Chancen bei Beschaffung und Absatz bietet
- staatlichen Anreizen, unter anderem durch das Production-Linked Incentive (PLI)-Programm
- der strategischen Lage mit Nähe zu Märkten in Asien, dem Nahen Osten und Afrika
- einer vergleichsweise stabilen politischen Struktur und verbesserten Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen
Diese Faktoren machen Indien für viele internationale Unternehmen zu einer relevanten Option, wenn es darum geht, bestehende Produktions- und Beschaffungsstrukturen zu erweitern oder zu diversifizieren.
Was ausländische Unternehmen beim Aufbau einer Lieferkette in Indien beachten müssen
Der Aufbau einer funktionierenden Lieferkette in Indien erfordert mehr als die Auswahl eines geeigneten Produktionsstandorts. Entscheidend ist, wie systematisch Unternehmen bei der Auswahl von Partnern, der Qualitätssicherung und der operativen Umsetzung vorgehen. Die folgenden fünf Aspekte spielen dabei eine zentrale Rolle.
1. Identifizieren und bewerten Sie potenzielle Lieferanten
Der Aufbau einer erfolgreichen Lieferkettenstrategie in Indien beginnt mit der Auswahl geeigneter Lieferanten. Die Qualitäts- und Leistungsunterschiede zwischen Anbietern können erheblich sein, weshalb eine gründliche Due-Diligence-Prüfung unerlässlich ist.
Unternehmen sollten Lieferantenaudits durchführen, die über formale Zertifizierungen hinausgehen, und Fertigungsfähigkeiten sowie Kapazitäten durch persönliche Besuche überprüfen. Ebenso wichtig ist die Bewertung der finanziellen Stabilität und bestehender Business-Continuity-Pläne potenzieller Partner. In der Praxis bewährt es sich, Beziehungen schrittweise aufzubauen und vor größeren Verpflichtungen mehrere Vor-Ort-Besuche einzuplanen.
Lesetipp: In diesem Artikel lesen Sie mehr über die Durchführung gründlicher Due-Diligence-Prüfungen in Indien.
2. Richten Sie ein Qualitätskontrollsystem ein
Eine konsequente Qualitätskontrolle ist bei der Beschaffung aus Indien unverzichtbar. Unternehmen sollten klare Produktspezifikationen und Abnahmekriterien definieren und diese entlang des gesamten Produktionsprozesses überwachen. Vorversandkontrollen sowie stichprobenartige Prüfungen helfen, Qualitätsabweichungen frühzeitig zu erkennen.
In vielen Fällen ist es sinnvoll, externe Qualitätsprüfer einzubinden. Ergänzend können Feedbackschleifen mit Lieferanten dazu beitragen, Prozesse kontinuierlich zu verbessern. In der Anfangsphase neuer Geschäftsbeziehungen bieten Treuhand- oder Absicherungsmodelle zusätzliche Sicherheit.
3. Verhandeln Sie mit Lieferanten strategisch
Erfolgreiche Verhandlungen mit indischen Lieferanten erfordern ein Verständnis für indische Geschäftspraktiken. Internationale Unternehmen erzielen in der Regel bessere Ergebnisse, wenn sie auf langfristige Partnerschaften statt auf rein transaktionsorientierte Beziehungen setzen.
Zahlungsziele von 30 bis 90 Tagen sind üblich und sollten bei der Vertragsgestaltung berücksichtigt werden. Darüber hinaus spielen Mengenvereinbarungen, Qualitätsstrafklauseln und Leistungsanreize eine wichtige Rolle. Verträge sollten zugleich ausreichend Flexibilität lassen, um auf lokale Marktbedingungen und mögliche Angebotsengpässe reagieren zu können.
4. Optimieren Sie Ihr Logistik- und Importmanagement
Obwohl sich die Logistikinfrastruktur in Indien in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat, erfordert sie weiterhin ein aktives Management. Unternehmen sollten geeignete Häfen und Transportwege für ihre Produkte auswählen und längere Vorlaufzeiten einplanen als in vielen etablierten Märkten.
Der Aufbau von Pufferbeständen für kritische Komponenten kann helfen, Lieferunterbrechungen abzufedern. Zudem ist die Zusammenarbeit mit erfahrenen Zollagenten und Spediteuren entscheidend, um Export- und Importprozesse effizient abzuwickeln. Bei entsprechender Struktur können auch Freihandels- und Lagerzonen (FTWZ) strategische Vorteile bieten.
5. Halten Sie alle gesetzlichen Bestimmungen und Zollvorschriften ein
Die Einhaltung gesetzlicher und regulatorischer Anforderungen ist ein zentraler Erfolgsfaktor beim Aufbau einer Lieferkette in Indien. Zollverfahren unterliegen spezifischen Dokumentations- und Klassifizierungsvorgaben, die sich direkt auf die Höhe von Einfuhrabgaben auswirken. Für zahlreiche Produktkategorien sind zusätzliche Lizenzen oder Zertifizierungen wie ein BIS-Zertifikat erforderlich, etwa im Bereich Arzneimittel, Elektronik, Chemikalien oder anderer regulierter Waren.
Auch die Goods and Services Tax (GST) – die indische Waren- und Dienstleistungssteuer – bringt für ausländische Unternehmen eine zusätzliche Komplexitätsebene mit sich, insbesondere bei der Frage, wann und in welchen Bundesstaaten Steuerpflichten entstehen. Darüber hinaus sind Anforderungen an Verrechnungspreisdokumentationen sowie branchenspezifische Vorschriften zu beachten. Fehler in diesem Bereich können zu Verzögerungen, zusätzlichen Kosten und rechtlichen Risiken führen, weshalb lokales Fachwissen und professionelle Beratung unverzichtbar sind.
Erfolgsfaktoren für die Umsetzung einer Lieferkettenstrategie in Indien
Der Aufbau einer Lieferkette ist nur der erste Schritt. Ob eine Lieferkettenstrategie in Indien langfristig erfolgreich ist, entscheidet sich in der praktischen Umsetzung. Internationale Unternehmen sind dabei besonders erfolgreich, wenn sie ihre Projekte realistisch planen, schrittweise vorgehen und lokale Besonderheiten von Anfang an berücksichtigen.
Die folgenden Erfolgsfaktoren zeigen, wie Unternehmen diese Lieferkettenstrategie in der Praxis umsetzen und typische Fehler vermeiden, die bei Markteintritten und der Diversifizierung von Lieferketten in Indien häufig auftreten:
- Beginnen Sie mit Pilotprojekten, um erste Erfahrungen zu sammeln, bevor größere Investitionen oder langfristige Verpflichtungen eingegangen werden. So lassen sich Prozesse testen und Risiken frühzeitig erkennen.
- Investieren Sie in lokale Beziehungen und Präsenz, um ein belastbares Netzwerk aufzubauen und kulturelle sowie operative Besonderheiten besser zu verstehen. Das erleichtert die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Dienstleistern erheblich.
- Planen Sie Redundanzen in Lieferanten- und Logistiknetzwerken ein, um auf Störungen reagieren zu können. Gleichzeitig sollten ausreichend Ressourcen für Qualitätskontrolle und regulatorische Anforderungen eingeplant werden.
- Arbeiten Sie mit erfahrenen Partnern und Beratern zusammen, die sowohl internationale Geschäftsanforderungen als auch die lokalen Gegebenheiten in Indien kennen. So lassen sich unrealistische Erwartungen und operative Fehlentscheidungen vermeiden.
- Setzen Sie auf eine langfristige Perspektive, statt schnelle Ergebnisse zu erwarten. Unternehmen, die Zeit in den Aufbau stabiler Strukturen investieren, schaffen nachhaltige Wettbewerbsvorteile im indischen Markt.
Indien als strategischer Partner für widerstandsfähige Lieferketten
Richtig umgesetzt kann Indien für internationale Unternehmen ein zentraler Baustein einer resilienten Lieferkettenstrategie sein. Das Land bietet nicht nur Produktions- und Kostenvorteile, sondern auch langfristige strategische Potenziale, etwa durch industrielle Kompetenz, Marktzugang und geopolitische Diversifizierung.
Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass der Aufbau und die Umsetzung einer Lieferkettenstrategie in Indien sorgfältige Planung und lokales Verständnis erfordern. Unternehmen, die die Komplexität des Marktes realistisch einschätzen, schrittweise vorgehen und auf verlässliche Partner setzen, erhöhen ihre Erfolgschancen deutlich.
Möchten Sie eine Lieferkette in Indien aufbauen oder Ihre bestehende Lieferkettenstrategie gezielt erweitern? Unsere Indien-Experten unterstützen Sie dabei, Chancen realistisch zu bewerten und typische Risiken frühzeitig zu vermeiden. Nehmen Sie unverbindlich Kontakt mit uns auf, um Ihre Situation und mögliche nächste Schritte zu besprechen.